Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher,
Die Historische Gesellschaft zu Nienburg e.V. ist eine gemeinnützige Organisation in der Stadt Nienburg/Weser im Bundesland Niedersachsen in Deutschland. Die Gesellschaft wurde am 15.11.2006 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung zu dokumentieren und zu bewahren.
Bei uns erhalten Sie Informationen über bedeutende historische Ereignisse, Kultur und Kunst aus verschiedenen Zeitaltern und Regionen aus dem Landkreis Nienburg/Weser. Von der Antike bis zur Moderne finden Sie bei uns ein breites Spektrum an Themen, die für jeden Geschichtsinteressierten etwas zu bieten hat.
Begeben Sie sich mit uns gemeinsam auf eine unterhaltsame Entdeckungsreise durch die Geschichte.
Unser Ziel ist es, dass Sie nicht nur Wissen erlangen, sondern auch Freude am Lernen haben.
Entdecken Sie mit uns die Faszination der Geschichte!
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Bremer Amateur Theater begeistert mit Lesung - Loblied auf den Norden
Auf Einladung der Historischen Gesellschaft zu Nienburg/Weser gastierte das BAT Ensemble am Samstag, den 24. Oktober 2026 in Nienburg. In einer rund zweistündigen Lesung begeisterten die vier Bremer und Bremerinnen das Publikum mit verschiedenen Auszügen zu den Themen Bremen, Hafen und Meer.
Im ersten Teil der Lesung ging es um Bremen und die Häfen. Heute kaum mehr vorstellbar, aber noch 1950 schlug das Herz der Weltwirtschaft in der Hansestadt an der Weser. Millionen Tonnen Güter wurden damals in Bremen umgeschlagen. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Überseehafen. Mit dem Aufstieg der 40-Fuß-Seecontainer sank dann allerdings sehr schnell die Bedeutung des Bremer Hafens. Die riesigen Containerschiffe waren schlichtweg zu groß für die Weser. Bremerhaven und Hamburg liefen Bremen den Rang ab. In den 1990er Jahren wurde der Überseehafen zugeschüttet. Heute dient der Bereich als vornehmes Wohnquartier. Nur der Speicher 11 erinnert noch an die Vergangenheit.
Natürlich dürfen in einer Lesung über Bremen die berühmtesten Märchenfiguren der Stadt nicht fehlen: die Stadtmusikanten. Dank des Esels, des Hundes, der Katze und des Hahns kennt fast jedes Kind auf der Welt den Namen der Stadt Bremen. Eigentlich erstaunlich, dass die vier Märchenfiguren der Hansestadt so eine enorme Publicity beschert haben. Schließlich handelte es sich im Prinzip um Vagabunden, die zudem nie die Hansestadt erreicht haben. Ihre Reise zu einem besseren Leben endete irgendwo im niedersächsischen Umland.
Eine Bronzestatue von Gerhard Marcks erinnert seit 1953 im Herzen Bremens an das beliebte Märchen der Brüder Grimm. Das Berühren der Pfoten des Esels soll Glück bringen. Aber immer daran denken, mit beiden Händen zwei verschiedene Pfoten zu berühren. „Sonst gibt ein Esel dem anderen die Hand“, heißt es in Bremen.
Nicht weit von der Statue der Bremer Stadtmusikanten befindet sich der Spuckstein auf dem Domshof. Auch davon erfuhren die Zuhörer. An dieser Stelle fand am 21. April 1831 die Hinrichtung der Serienmörderin Gesche Gottschalk statt. Sie hatte insgesamt 15 Menschen mit Arsenik vergiftet.
Spannendes hatte das BAT Ensemble auch im zweiten Teil der Lesung zu berichten. Vorgetragen wurden Geschichten von Monsterwellen, Schiffsfahrten im Auge eines Orkans, Begegnungen mit dem Schimmelreiter und dem Steuermann John Maynard. Außerdem erfuhren die Besucher, welch großen Reiz das Leben im Norden hat. Nur wer regelmäßig Nebel, Regen und Stürme erlebt, wisse blauen Himmel und die Sonne richtig zu schätzen. Und außerdem muss es ja einen Grund geben, warum alle Kompassnadeln nach Norden zeigen.
„Es war eine rundum gelungene Veranstaltung“, fasst Martin Wahl, Präsidiumsmitglied der Historischen Gesellschaft zu Nienburg/Weser, den Nachmittag im Gemeindehaus St. Michael zusammen. Die Lesung wurde übrigens von der Stiftung der Sparkasse Nienburg und dem Landschaftsverband Weser-Hunte e.V. gefördert.
Mit freundlichen Grüßen im Namen des Präsidiums der Historischen Gesellschaft Nienburg e.V.
Klaus Lünstedt, Thorsten Reinmold, Stefanie Duensing, Martin Wahl, Jil Boßmann, Jan Hegemann
Wissenswertes zum Nienburger Scheibenschießen
Lesung von Jil Boßmann
Warum heißt das älteste Nienburger Traditionsfest „Scheibenschießen“? Was hat es mit den blauen Fräcken der Offiziere und Unteroffiziere der Bürgerkompanien auf sich? Und von wem stammt eigentlich die Königskette mit dem silbernen Papageien? Die Antworten auf all diese Fragen gab es bei einer Veranstaltung der Historischen Gesellschaft zu Nienburg/Weser im Quaet-Faslem-Haus. Jil Boßmann trug aus ihrem 2025 erschienen Buch „Geschichte des Offizier- und Unteroffizier-Corps der Bürgerkompanien der Stadt Nienburg/Weser und Tradition des Scheibenschießens“ vor.
Die Worte Geschichte und Tradition auf dem Bucheinband sind größer gestaltet als die restlichen Worte. Und diese Hervorhebung hat einen guten Grund, wie die über 40 Zuhörer und Zuhörerinnen erfuhren. Als die Autorin beim Scheibenschießen 2021 mit ihrer Mutter begeistert den Ausmarsch verfolgte, sagte eine Passantin zu ihnen: „Das Scheibenschießen wird aussterben. Tradition und Geschichte reichen nicht aus, um das Scheibenschießen am Leben zu erhalten.“ „Ist dem wirklich so“, fragte sich Jil Boßmann. „Und was weiß ich eigentlich über die Geschichte des beliebten Volksfestes in Nienburg?“ Ihr Interesse war geweckt.
Rund zwei Wochen verbrachte die damals 23-Jährige im Nienburger Stadtarchiv, wälzte unzählige Akten und historische Dokumente. Entstanden ist daraus eine 13-seitige Hausarbeit. Davon erfuhr das Kommando des Offizier- und Unteroffizier-Corps der Bürgerkompanien der Stadt Nienburg/Weser und so erhielt die junge Lemkerin die Anfrage, ob sie nicht eine Chronik über die Geschichte des Scheibenschießens verfassen wollte. Zum 1.000-jährigen Stadtjubiläum 2025 sollte das Werk vorliegen. Jil sagte zu und hielt Wort.
Auf fast 300 Seiten zeichnet Jil Boßmann die Geschichte des Scheibenschießens nach. Seit dem Mittelalter wurde in Nienburg mit der Armbrust auf einen hölzernen Papagei geschossen. Bis heute erinnert ein kleiner silberner Papagei an der Königskette an die Ursprünge des Scheibenschießens. Die Figur hatte übrigens 1581 der Hoyaer Graf Otto der VIII. der Stadt als oberstem Dienstherrn der Bürgerkompanien geschenkt. Im Schnabel trägt der Papagei die Hoyaer Bärentatzen. Mit dem Tod Ottos des VIII. am 25. Februar 1582 fiel die Grafschaft dann an die Welfen.
Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg kam 1641 an die Macht. Er baute seine Armee und die Garnisonsstandorte wie Nienburg massiv aus. 1654 erließ der Herzog auch eine neue Verordnung für das Nienburger Scheibenschießen. Statt auf den Papageien wurde nun nämlich auf eine Scheibe geschossen – und zwar mit Gewehren. Es sollte sich fortan mehr um eine militärische Schießübung der beiden Bürgerkompanien der Stadt handeln, weniger um ein Volksfest. Die männlichen Bürger der Stadt hatten teilzunehmen. Die Mitglieder der Bürgerkompanien waren neben den in Nienburg stationierten Soldaten des Herzogs fest in das Verteidigungskonzept der befestigten Stadt eingebunden. Während der gesamten Dauer der Schießübung musste unbedingt und unter allen Umständen auf eine strikte Ordnung und Disziplin geachtet werden. Es durfte keinerlei Ausschweifungen oder Unruhe geben, so dass das Training in geordneten Bahnen verlaufen konnte. Für die Zeit nach dem Schießen stiftete der Herzog 10 Taler für die Bereitstellung von Freibier.
Christian Ludwig war es auch, der bestimmte, dass das Schießen vom dritten Pfingsttag auf einen Werktag verlegt wird. Nach der „Ordnung wie es beim Scheibenschießen solle gehalten werden“, die am 25. Juni 1674 in Kraft trat, dem Montag nach Johanni, wird noch heute geschossen. Und noch etwas hat seit 1654 Bestand: Den ersten Schuss des Wettbewerbs gibt stets der Bürgermeister der Stadt ab.
Eine wesentliche Änderung gab es Ende der 1830er Jahre. Der königlich hannoversche Baubeamte und I. Capitän Emanuel Bruno Quaet-Faslem entwarf eine neue, in blau gehaltene Uniform für das Offizier- und Unteroffizier-Corps. Die Fracks orientierten sich an preußischem Vorbild angelehnt an die königlich hannoversche Armee.
Wer weitere Einzelheiten über die bewegte Geschichte des Nienburger Scheibenschießens erfahren möchte, dem sei Jil Boßmanns Buch empfohlen. ISBN: 978-3-00-082557-6. Der Verkaufspreis beträgt symbolträchtige 16,54 Euro. Erhältlich auf Anfrage bei jil.bossmann@web.de
Unsere Termine und Veranstaltungen
Programm 2. Halbjahr 2026
14. Juni 2026, Dienstag 19:00 Uhr, Quaet-Faslem-Haus, Leinstr. 4
Jil Boßmann, M.A., Lemke
Lesung aus dem Buch "Geschichte des Offizier- und Unteroffizier-Corps der Bürgerkompanien der Stadt Nienburg Weser und Tradition des Scheibenschießens".
16. August 2026, Sonntag, Halbtägige Veranstaltung
Halbtagesfahrt nach Syke zum Gesseler Goldschatz
Besuch des Kreisheimatmuseums und anschließend Kaffee und Kuchen.
15. September 2026, Dienstag 16:00 Uhr, Verdener Landstr. 4
Besuch des Stadt- und Kreisarchivs Nienburg
Rundgang durch das Magazin, der Schatzkammer der Nienburger Geschichte. Erläuterung der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten im Archiv.
24. Oktober 2026, Samstag 16:00 Uhr, Gemeindehaus St. Michael, Martinsheidestraße 8, Nienburg
Bremer Amateurtheaters (BAT)
Lesung des Bremer Amateurtheaters (BAT) mit dem neuen Programm "Bremen.Hafen.Meer", Kaffee und Kuchen
Weitere Informationen finden Sie zu gegebener Zeit auf unserer Homepage.
